Pergamon

Sendschreiben an Pergamon

© Autor: Kai Kreienbring

Offenbarung 2,12-17
12 Und dem Engel der Versammlung in Pergamus schreibe: Dieses sagt, der das scharfe, zweischneidige Schwert hat: 13  Ich weiß, wo du wohnst, wo der Thron des Satans ist; und du hältst fest an meinem Namen und hast meinen Glauben nicht verleugnet, auch in den Tagen, in welchen Antipas mein treuer Zeuge war, der bei euch, wo der Satan wohnt, ermordet worden ist. 14  Aber ich habe ein weniges wider dich, daß du solche dort hast, welche die Lehre Balaams festhalten, der den Balak lehrte, ein Ärgernis vor die Söhne Israels zu legen, Götzenopfer zu essen und Hurerei zu treiben. 15  Also hast auch du solche, welche in gleicher Weise die Lehre der Nikolaiten festhalten. 16  Tue nun Buße; wenn aber nicht, so komme ich dir bald und werde Krieg mit ihnen führen mit dem Schwerte meines Mundes. 17  Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Versammlungen sagt! Dem, der überwindet, dem werde ich von dem verborgenen Manna geben; und ich werde ihm einen weißen Stein geben, und auf den Stein einen neuen Namen geschrieben, welchen niemand kennt, als wer ihn empfängt.

Die Stadt Pergamon

Pergamon gehört zur römischen Provinz Asien und stand in der Bedeutung Ephesus kaum nach. Das Stadtbild war geprägt von vielen Tempeln (z.B. Für Zeus, Asklepios, Augustus und Roma). Hier war eine der „Hochburgen“ des Kaiserkultes in der Provinz. Durch den Asklepios-Tempel, zu dem viele mit der Hoffnung auf Heilung kamen, war Pergamon so etwas wie das Lourdes des Altertums.

Auch seine Bibliothken und der Herstellung von Pergament (Pergamon) machte die Stadt berühmt. Die Kunstschätze der Stadt sind heute zum großen Teil im Pergamon Museum in Berlin zu sehen.

John Heading sieht bereits in dem Namen „Pergamon“ eine prophetische Andeutung. Die Wurzel dieses Wortes bedeutet „verheiratet“. Das deutet er auf die „Vermählung“ von Staat und Kirche unter Konstantin. Dann würde die prophetische Botschaft in diesem Abschnitt Zustände in der späteren Staatskirche andeuten.

Auslegung

12 Und dem Engel der Versammlung in Pergamus schreibe: Dieses sagt, der das scharfe, zweischneidige Schwert hat:

Das „scharfe, zweischneidige Schwert“ war schon in Kap 1 erwähnt worden, es ist das Wort Jesu (Hebr.4,12), das sowohl im Leben des Einzelnen wie auch der Gemeinde zwischen Echtem und Unechtem scheidet. Jesus als der „Schwertträger“ ist derjenige,der gültiges Urteil über alles spricht. Durch sein Wort wird offenbar, was Gottes Willen entspricht und was nicht.

13  Ich weiß, wo du wohnst, wo der Thron des Satans ist; und du hältst fest an meinem Namen und hast meinen Glauben nicht verleugnet, auch in den Tagen, in welchen Antipas mein treuer Zeuge war, der bei euch, wo der Satan wohnt, ermordet worden ist.

Ich weiß, wo du wohnst„. – ist ein tröstlicher Zuspruch des Herrn. Jesus kennt die besonderen Umstände unserer Umgebung und unseres Lebens sehr genau. Er kennt die Schwierigkeiten mit denen wir zu kämpfen haben (Hebr.4,15).

wo der Thron Satans ist“ – könnte sich auf den Tempel Roms in Pergamon beziehen. In Pergmon ist der Einfluß des Kaiserkultes in der Provinz Asien am größten. Pergamon ist damit auch ein Symbol dafür, dass der Feind Gottes nicht nur die „Niederungen“ des Menschen, wie Gewalt, Lüge und Niedertracht, benutzt, sondern auch Schönheit (Kunstschätze Pergamons), Ordnung (römischer Staat) und griechische Weisheit (griechische Tempel + Philosphie in Pergamon) benutzen kann. Das äußerliche Bild erscheint schön und eindrucksvoll, das politische und wirtschaftliche Leben blüht. Während die Gemeinde äußerlich wenig bis gar nichts vorzuweisen hat. Sie hat nur den Namen Jesu.  Das kann der Gemeinde, wenn sie nicht wachsam ist, zum Stolperstein werden, wie es sich an den Irrlehren zeigt, die in der Gemeinde beginnen Einfluß zu nehmen.

du hältst fest an meinem Namen“ – zunächst stellt Jesus der Gemeinde ein gutes Zeugnis aus. Trotz aller Versuchungen und Angriffe halten sie an ihm fest. „Sie haben den Glauben nicht verleugnet“ dieses Bekennen und nicht verleugnen hat Ewigkeitswert: Matthäus 10,32f: „32  Ein jeder nun, der mich vor den Menschen bekennen wird, den werde auch ich bekennen vor meinem Vater, der in den Himmeln ist. 33  Wer aber irgend mich vor den Menschen verleugnen wird, den werde auch ich verleugnen vor meinem Vater, der in den Himmeln ist.“

“ auch in den Tagen, in welchen Antipas mein treuer Zeuge war, der bei euch, wo der Satan wohnt, ermordet worden ist“ – Der Text vermittelt den Eindruck, dass es sich hier noch nicht um eine generelle Verfolgung, sondern um einen Einzelfall gehandelt hat. Mag sein, dass der Märtyrertod es Antipas im Rahmen einer spontanen Lynchjustiz erfolgte und die Christen von ihren Zeugnis abhalten sollte.  Aber Jesus lobt die Gemeinde dafür, dass sie trotz dieses Angriffes weiterhin auch öffentlich zu ihm stehen und ihn bekennen.

14  Aber ich habe ein weniges wider dich, daß du solche dort hast, welche die Lehre Balaams festhalten, der den Balak lehrte, ein Ärgernis vor die Söhne Israels zu legen, Götzenopfer zu essen und Hurerei zu treiben.

ich habe ein weniges (ein kleines) wider dich“ – Der nun folgende „Vorwurf“ Jesu an die Gemeinde wird sehr mild eingeführt.

daß du solche dort hast, welche die Lehre Balaams festhalten, der den Balak lehrte, ein Ärgernis vor die Söhne Israels zu legen, Götzenopfer zu essen und Hurerei zu treiben“ – die Geschichte von Bileam ist zu finden in 4.Mose 22-25 + 31,16. Bileam wird vom Moabiterkönig Balak gerufen um das unter Mose durchziehende Volk Israel zu verfluchen. Durch eine Begegnung mit einem Engel wird ihm dies aber unmöglich. Stattdessen segnet er die Israeliten. Später versucht Bileam es „andersherum“. Wenn Gott nicht von den Israeliten zu trennen war, musste er die Israeliten von Gott trennen. So gibt er Balak den Rat die Israeliten zu einem scheinbar harmlosen Sommerfest einzuladen. Dabei handelt es sich jedoch um ein Götzenfest, das mit ausschweifender Zuchtlosigkeit verbunden ist. Viele von den Israeliten fallen auf diese List herein. „Sie wollten von Gott und seinem Gebot einen kurzen Urlaub nehmen:“ (Edition C S.90) so beschreibt es Fritz Grünzweig. „Einfach mal fünfe gerade sein lassen, so eng kann man das doch nicht sehen, ich schulde es meiner gesellschaftlichen Stellung bei bestimmten Anlässen zu erscheinen usw“ So könnte die „Lehre Bileams“ vielleicht heute aussehen. Das Kompromisse schließen mit der Welt und das „Nicht-so-ernst-nehmen“ von Sünde ist schon oft ein Fallstrick für die Gemeinde geworden (vgl. z.B. 1.Kor.6+8).

15  Also hast auch du solche, welche in gleicher Weise die Lehre der Nikolaiten festhalten.

Nikolaiten gab es ebenfalls in Ephesus (2,6). Von manchen Auslegern werden auch die Anhänger Isebels (2,20) mit ihnen in Verbindung gebracht.  Grünzweig geht davon aus, dass es sich hier um eine gnostische Gruppe handelt, die ihr Verhalten mit „christlicher Freiheit“ begründen und behaupten, dass ein Christ sich nicht unbedingt von seiner heidnischen Umwelt zu trennen brauche, da sein eigentliches selbst, seine Seele, ja nicht von seinem körperlichen Verhalten berührt werde (vgl. Rö.6,1.2.15.16). (Edition C S.91)

16  Tue nun Buße; wenn aber nicht, so komme ich dir bald und werde Krieg mit ihnen führen mit dem Schwerte meines Mundes.

Tue Buße“ – nicht nur die „fehlgeleitete“ Minderheit der Nikolaiten und Bileamiten wird zur Buße aufgerufen, sondern die ganze Gemeinde soll umkehren. Auch die Duldung solcher Lehren in der Gemeinde ist in Jesu Augen schuldhaftes Verhalten, da sie junge Gläubige von rechten Weg abbringen kann (vgl. Mt.18,6).

„wenn aber nicht“ – der richterliche Ernst des Wortes trifft die ganze Gemeinde. Falsche Kompromisse dürfen nicht geduldet werden, ansonsten muss der Richter einschreiten.

„so komme ich dir bald und werde Krieg mit ihnen führen mit dem Schwerte meines Mundes.“ – Jesus wird auch innerhalb der Gemeinde eingreifen wo die Grundlage seines Wortes und des Willens Gottes verlassen wird. Jesus hatte schon in seinen Endzeitpredigten darauf hingewiesen, dass sich in der Gemeinde Abweichungen und Irrlehren entwickeln würden, die zu innergemeindlichen auseinandersetzungen führen werden (Mt.24,10ff). Und auch dort findet sich die Aufforderung bis ans Ende ausschließlich an IHM festzuhalten um dem „Endgericht“ zu entgehen (Mt.24.13).

17  Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Versammlungen sagt! Dem, der überwindet, dem werde ich von dem verborgenen Manna geben; und ich werde ihm einen weißen Stein geben, und auf den Stein einen neuen Namen geschrieben, welchen niemand kennt, als wer ihn empfängt.

Wer überwindet“ – vgl. 2,7. Vertrauen und durch dick und dünn bei Jesus bleiben lohnt sich.

dem werde ich von dem verborgenen Manna geben“ – beinhaltet für mich zwei Anspielungen: zum einen das Manna, das mit den 10 Geboten in der Bundeslade aufbewahrt wurde und für die Versorgung durch Gott steht. Und zum anderen der Hinweis auf Jesus als dem Brot des Lebens (Joh.6), der gleichzeit das Lamm ist, dass seine Herde weidet und leitet (Off.7,17)

“ ich werde ihm einen weißen Stein geben, und auf den Stein einen neuen Namen geschrieben, welchen niemand kennt, als wer ihn empfängt.“ – Solche Steine (schwarz und weiß) spielten teilweise bei Gerichtsverhandlungen im Altertum eine Rolle. Der schwarze Stein hieß „Verurteilt“ und der weiße „Begnadigt/freigesprochen“. Wer an Jesus festhält, der ist begnadigt und freigesprochen für das Gericht. Durch sein Wort und seinen Geist erhalten wir die Zusagen, dass das auch uns gilt (Rö.8,16).